Schönborn ruft zu weniger Fleischkonsum auf

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Die Fleischbranche wehrt sich gegen den Aufruf, in der Fastenzeit weniger Fleisch zu essen. Schlederer kontert daraufhin mit einem Aufruf an die Bauern.
Kardinal Schönborn forderte zum Fleisch fasten auf. Schlederer konterte.
Kardinal Schönborn forderte zum Fleisch fasten auf. Schlederer konterte.
Kardinal Christoph Schönborn forderte die Bevölkerung in seiner wöchentlichen Zeitungskolumne auf, in der Fastenzeit aus ethischen Gründen kein Fleisch zu essen. In der Fleischbranche sorgte dies für großen Unmut. Dr. Johann Schlederer, Geschäftsführer der Österreichischen Schweinebörse, warf dem Kardinal „geschäftsschädigendes Verhalten“ vor. Schlederer rief die Bauern gleichzeitig auf, die Hälfte ihres Kirchenbeitrages einzubehalten, um damit gegen die undifferenzierte Kritik des obersten Kirchenvertreters im Land zu protestieren.
Schönborn schrieb in der Kolumne, es gebe „eine Reihe von Argumenten, die einem den Appetit auf Fleisch verderben“. Einer davon sei, dass ein Drittel der globalen Getreideernte an Vieh verfüttert werde. Alle Schlachttiere weltweit verbrauchten eine Futtermenge, die dem Kalorienbedarf von 8,7 Milliarden Menschen entspreche. Allein ein einziges Steak von 225 g enthalte so viel Pflanzenenergie, wie benötigt werde, um einen Tag lang 40 hungernde Menschen zu ernähren, so Schönborn weiter. Er bezeichnete den gegenwärtigen Fleischkonsum als einen "der großen Risikofaktoren für eine gute Zukunft“. Für ein nachhaltiges System müsste die Welt auf etwa die Hälfte des derzeit konsumierten Fleisches verzichten. Die laufende Fastenzeit wäre der richtige Zeitpunkt, damit zu beginnen.

Kritik von Schlederer
Als undifferenziert bezeichnete Schlederer die Aussagen des Kardinals, weil diese nicht zwischen der kleinstrukturierten Landwirtschaft in Österreich und der Massentierhaltung in Übersee unterschieden. Die Folgen eines um die Hälfte reduzierten Fleischkonsums wären die Auswirkungen angesichts der geringen Größe Österreichs global völlig bedeutungslos. Trotzdem würden die heimischen Bauern die Hälfte ihres Einkommens verlieren.
Durch seine Äußerungen hat sich der Wiener Erzbischof bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr mit der Landwirtschaft herumzuschlagen. Erst im Januar hatte die Kirchenführung Tipps von Agrarlandesrat Max Hiegelsberger aus Oberösterreich erhalten. Hiegelsberger hatte eine Kirchensteuer auch für jene empfohlen, die aus der Kirche ausgetreten sind. Mit dem Geld sollten nach seiner Ansicht kulturell und touristisch wertvolle Gebäude erhalten werden, die im Eigentum der Kirche sind.


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veröffentlicht: 04.04.2012 09:06