Richtige Haltungstechnik für gesunde Schweineklauen
Mängel in der Haltungstechnik sind hauptverantwortlich für Klauenverletzungen von Sauen in der Gruppenhaltung. Risikofaktoren in der betrieblichen Haltungstechnik müssen daher identifiziert und ausgeschaltet werden.
Besonderes Augenmerk verdienen sechs Risikobereiche:
Instabile soziale Rangordnung
Bei unvermeidlichen Neu- oder Umgruppierungen finden meist Kämpfe statt, die zu gravierenden Klauenverletzungen führen können. Rangauseinandersetzungen sind deshalb in speziell dafür vorgesehene Stallbereiche zu verlegen, zum Beispiel in eine Arena. Ein solcher Stallbereich hat eine Mindestseitenlänge von 15 m, im Mittel stehen jeder Sau ca. 5 m² zur Verfügung, der Boden ist planbefestigt und reichlich eingestreut. Bereits nach etwa 24 Stunden hat sich die Rangfolge weitgehend eingestellt. Durch die Rangkämpfe treten im Wesentlichen Hautverletzungen auf, dagegen sind Klauenverletzungen und Afterklauenabrisse sehr selten.
Stressige Fütterung
Die Mehrzahl der eingesetzten Fütterungssysteme fördert eher Rangauseinandersetzungen als dass sie diese möglichst unterbinden. Fütterungssysteme müssen aus der Sicht von Klauenverletzungen drei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen eine individuelle, ungestörte und gleichzeitige Futteraufnahme ermöglichen. Nur so können fütterungsbedingte Rangkämpfe mit abrupten Ausweichmanövern und Drehungen auf Spaltenbodenkanten und in der Folge Afterklauenabrisse minimiert werden. Fütterungsverfahren dürfen nicht zum Schnellfressen verleiten, wie das bei Flüssigfütterungen der Fall ist. Nur in abgesperrten Fressständen können die Sauen relativ stressfrei Kraftfutter und Raufutter trotz sehr unterschiedlicher Fressgeschwindigkeiten aufnehmen.
Permanenter Beschäftigungsmangel
In engem Zusammenhang mit der Fütterung steht die Beschäftigung der Sauen. Bei ständigem Hunger kann im Stall keine Ruhe entstehen. Häufige Folge sind Klauen- und Vulvaverletzungen. Schließlich sind nur satte Sauen in der Regel auch friedliche Sauen. Beschäftigungsmangel ist ein erheblicher Stressfaktor, der häufig zu Leerkauen führt.
Mangelnder Liegekomfort
Die Beschäftigung und damit verbundene Sättigung der Sauen steht in engem Zusammenhang mit dem Liegeverhalten. Da Sauen nur in entspannter Halb- oder Ganzseitenlage tief schlafen und sich erholen können, werden an die Bodengestaltung und -temperatur hohe Anforderungen gestellt. Die Hauttemperatur der Sauen ist ziemlich konstant bei 28 °C, weshalb der Stallboden dem Rechnung tragen muss. Dies erreicht man in unseren Breitengraden nicht ohne Wärmedämmung. Das Liegen auf Spaltenböden ist nur für relativ kurze hochsommerliche Abschnitte eine Alternative. Die entspannte Seitenlage ist Voraussetzung dafür, dass es nicht – wie in der Bauchlage – zum Abschliff des Klauenwandhorns kommt. Da die Hinterbeine in Bauchlage weder in der gebeugten noch in der gestreckten Lage entspannt sind, werden sie täglich mehrere hundert Male über den Stallboden gezogen. Der Tragrand scheuert ab und abgeschliffene Trageränder führen in Folge zu Rissen im Wandhorn.
Autoren: DI Rudolf WIEDMANN und Barbara HAHN, Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (D)
Weitere Informationen zu den sechs Risikobereichen finden Sie im Sonderband Klauengesundheit. Hier geht's zur Bestellung.
- Instabile soziale Rangordnung
- Stressige Fütterung
- Permanenter Beschäftigungsmangel
- Mangelnder Liegekomfort
- Betonspaltenboden
- Mensch
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Bei unvermeidlichen Neu- oder Umgruppierungen finden meist Kämpfe statt, die zu gravierenden Klauenverletzungen führen können. Rangauseinandersetzungen sind deshalb in speziell dafür vorgesehene Stallbereiche zu verlegen, zum Beispiel in eine Arena. Ein solcher Stallbereich hat eine Mindestseitenlänge von 15 m, im Mittel stehen jeder Sau ca. 5 m² zur Verfügung, der Boden ist planbefestigt und reichlich eingestreut. Bereits nach etwa 24 Stunden hat sich die Rangfolge weitgehend eingestellt. Durch die Rangkämpfe treten im Wesentlichen Hautverletzungen auf, dagegen sind Klauenverletzungen und Afterklauenabrisse sehr selten.
Stressige Fütterung
Die Mehrzahl der eingesetzten Fütterungssysteme fördert eher Rangauseinandersetzungen als dass sie diese möglichst unterbinden. Fütterungssysteme müssen aus der Sicht von Klauenverletzungen drei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen eine individuelle, ungestörte und gleichzeitige Futteraufnahme ermöglichen. Nur so können fütterungsbedingte Rangkämpfe mit abrupten Ausweichmanövern und Drehungen auf Spaltenbodenkanten und in der Folge Afterklauenabrisse minimiert werden. Fütterungsverfahren dürfen nicht zum Schnellfressen verleiten, wie das bei Flüssigfütterungen der Fall ist. Nur in abgesperrten Fressständen können die Sauen relativ stressfrei Kraftfutter und Raufutter trotz sehr unterschiedlicher Fressgeschwindigkeiten aufnehmen.
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In engem Zusammenhang mit der Fütterung steht die Beschäftigung der Sauen. Bei ständigem Hunger kann im Stall keine Ruhe entstehen. Häufige Folge sind Klauen- und Vulvaverletzungen. Schließlich sind nur satte Sauen in der Regel auch friedliche Sauen. Beschäftigungsmangel ist ein erheblicher Stressfaktor, der häufig zu Leerkauen führt.
Mangelnder Liegekomfort
Die Beschäftigung und damit verbundene Sättigung der Sauen steht in engem Zusammenhang mit dem Liegeverhalten. Da Sauen nur in entspannter Halb- oder Ganzseitenlage tief schlafen und sich erholen können, werden an die Bodengestaltung und -temperatur hohe Anforderungen gestellt. Die Hauttemperatur der Sauen ist ziemlich konstant bei 28 °C, weshalb der Stallboden dem Rechnung tragen muss. Dies erreicht man in unseren Breitengraden nicht ohne Wärmedämmung. Das Liegen auf Spaltenböden ist nur für relativ kurze hochsommerliche Abschnitte eine Alternative. Die entspannte Seitenlage ist Voraussetzung dafür, dass es nicht – wie in der Bauchlage – zum Abschliff des Klauenwandhorns kommt. Da die Hinterbeine in Bauchlage weder in der gebeugten noch in der gestreckten Lage entspannt sind, werden sie täglich mehrere hundert Male über den Stallboden gezogen. Der Tragrand scheuert ab und abgeschliffene Trageränder führen in Folge zu Rissen im Wandhorn.
Autoren: DI Rudolf WIEDMANN und Barbara HAHN, Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg (D)
Weitere Informationen zu den sechs Risikobereichen finden Sie im Sonderband Klauengesundheit. Hier geht's zur Bestellung.
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