Multiphasenmast: Einfach anwenden – viele Vorteile nutzen

Die Multiphasenfütterung unkompliziert umsetzen hört sich unmöglich an. An der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wurde ein Versuch durchgeführt, der die Vorteile der Multiphasenmast verdeutlicht und gleichzeitig zeigt, wie der Landwirt das „komplizierte“ Fütterungssystem ganz leicht umsetzen kann.
Die Multiphasenmast nach der Grundstandard-Methode kann leicht umgesetzt werden. (Foto: Agrarfoto)
Die Multiphasenmast nach der Grundstandard-Methode kann leicht umgesetzt werden. (Foto: Agrarfoto)
Vor dem Hintergrund der Weltklimaproblematik (Lachgas, CO2-Fußabdruck) und der beabsichtigten Deckelung der Stickstoffüberhänge aus organischen Düngern wird die Mehrphasenfütterung von Mastschweinen immer wichtiger. Denn wer die Eiweißversorgung seiner Tiere möglichst nahe am Bedarf ausrichtet, entlastet die Umwelt (minus 20 bis 30 % Stickstoffausstoß, weniger Futteraufwand), unterstützt die Tiergesundheit (weniger Leberbelastung), optimiert die Stallluft (Geruch, Ammoniakbelastung) und senkt dabei zwangsläufig die Futterkosten (minus 1 bis 3 Euro je Mastschwein).
In der vorliegenden Untersuchung sollte deshalb eine bereits optimierte 2-Phasenfütterung mit einer „vereinfachten“ Mehrphasenfütterung verglichen werden. Vereinfacht bedeutet dies, dass das Anfangsmastfutter mit vorgeschrotetem Weizen verschnitten wird (Grundstandard-Methode). Die Landwirte benötigen hierbei keine aufwändige Multiphasenfütterungstechnik sondern lediglich einen freien Silo zur Bevorratung von Getreideschrot (Weizen, Gerste, Triticale, Roggen, ev. Mais). Je älter/schwerer die Tiere sind, desto mehr Getreide kann dem eiweißreichen Anfangsmastfutter zugesetzt werden.
Folgende zwei Versuchsgruppen wurden angelegt:
Kontrolle: 2-phasige Fütterung Vormast 10,5 g Lysin, Endmast 9 g Lysin; Futterwechsel bei 70 kg Lebendgewicht
Testgruppe: Multiphasenfütterung (14 Phasen) Verschneiden des Anfangsmastfutters wöchentlich mit +3 % Weizen, zu Versuchsende ca. 42 % Weizen und ca. 58 % Anfangsmastfutter.

Eingesetzte Ration
Bei der ursprünglichen Grundstandard-Methode vergangener Zeiten wurde ein Anfangsmastfutter (Grundstandard) bis in die Mitte der Mast auf eine bestimmte Tagesmenge (ca. 1,5 kg) gesteigert und so beibehalten. Im weiteren Mastverlauf wurden dann „Sättigungsfutter“ wie Getreide oder Kartoffeln dazugefüttert. Oft kaufte der Landwirt das Grundstandardfutter zu, in der Absicht, Mahl- und Mischkosten (Technik, Arbeit) oder auch hofeigenes Getreide zu sparen.
Im Prinzip verläuft die „vereinfachte“ Multiphasenfütterung mit Getreideverschneiden von Anfang an nicht anders – das Futter wird nur etwas früher und bedarfsgerechter an den Mastverlauf angepasst. Es wird in etwa die gleiche Getreidemenge (40–50 kg pro Mastschwein) wie damals „draufgelegt“. Demnach wird bei der Multiphasenfütterung mit wöchentlich 4 % Getreideschrot mehr gegenüber der 2-Phasenfütterung eine viel kürzere Zeit der Überversorgung (ca. 1 Woche statt 7 Wochen) in Kauf genommen. Die Futterkosten wandern entsprechend dem Abstand vom Getreide- zum Soja-/Mineralfutterpreis in die erwünschte Richtung mit. Keine Angst – auch das Strecken des Mineralfutters führt nicht zu Unterversorgungen, da der Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen mit zunehmendem Alter der Tiere immer geringer wird.
Im Versuch wurde eine Weizen/Gerste-Grundration gefüttert. Die Grundstandard-Methode kann aber auch bei (reinen) Maisrationen angewendet werden.

Autoren: Dr. Hermann LINDERMAYER, Dr. Wolfgang PREISSINGER und Günther PROPSTMEIER, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Grub (D)


Alle Ergebnisse des Multiphasenmast-Versuchs können Sie in der Ausgabe 1/2013 des "Fortschrittlichen" Landwirts nachlesen. Weitere Themen in diesem Heft:
  • Ferkelverluste richtig einordnen
  • Wirtschaftlichkeit der Ferkelproduktion 2012
  • Zusammenhang von Genetik und Fruchtbarkeit


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veröffentlicht: 17.12.2012 09:25