Milchfieber – Neue Wege der Vorsorge

Das Milchfieber (Gebärparese) ist eine der häufigsten und verlustreichsten Erkrankungen bei Kühen nach der Geburt. Ob das Silikatgestein Zeolith A als Futterzusatz bei gefährdeten Kühen nur zwischen den Zähnen knirscht oder tatsächlich Wirkung zeigt, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Gebärparese ist die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit unserer Milchkühe. Auch bei rechtzeitiger tierärztlicher Behandlung kommt es zu schwerwiegenden Stoffwechselbelastungen und Erkrankungen.
Gebärparese ist die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit unserer Milchkühe. Auch bei rechtzeitiger tierärztlicher Behandlung kommt es zu schwerwiegenden Stoffwechselbelastungen und Erkrankungen.
Parallel zur Steigerung der Milchleistung um 30 % in den letzten 20 Jahren erhöhte sich auch das Auftreten der Gebärparese auf 5-10 %. Diese Stoffwechselstörung ist durch das Einsetzen der Laktation und den dadurch plötzlich einsetzenden erhöhten Mineralstoffbedarf bedingt. Dadurch kommt es zu einem akuten Kalziumdefizit, was wiederum zu einer Lähmung der Muskulatur führt. Auch Kreislaufschwäche und Bewusstseinstrübung können auftreten und zu einer akuten Lebensgefahr des Tieres führen.

Zeolith A ( Natriumaluminiumsilikat)
Zeolithe gehören zu der artenreichen Familie der Silikatgesteine. In der Futtermittelindustrie wird es als Fließhilfsstoff beim Pelletieren verwendet. Zeolith fungiert als Kalziumbinder im Darm, indem es zum Austausch von Natrium und Kalzium bzw. anderen Kationen kommt. Dadurch ist gewährleistet, dass es im Organismus zu einer negativen Kalziumbilanz kommt. Somit werden die Mechanismen der Kalziummobilisierung aktiviert ohne aber übersäuernde Nebenwirkungen auf das Kalb zu haben.

Zeolith verringert Gebärpareserisiko
An 52 Kühen, die ein Jahr zuvor an einer Gebärparese erkrankt waren, wurde 400 g Zeolith A zwischen 14 und 20 Tagen vor der Geburt in zwei Formulierungen verfüttert. Weitere 50 Tiere, die ebenfalls im Vorjahr an Gepärparese erkrankten, dienten als Vergleichsgruppe. Die Formulierung mit Pellets, gehärteten Fetten und Rübenschnitte wurde von den Tieren sehr gut akzeptiert. Verfüttert man hingegen Zeolith A pur, geht die Futteraufnahme stark zurück. Die durchgeführten Tests zeigen, dass sich die Blut- und Harnkalziumwerte verbessern. Allerdings werden die Phosphorwerte im Serum ebenfalls stark beeinflusst. Zwei Tage nach der Geburt waren bei allen Tieren die Werte wieder normal. Von den 52 Tieren, die mit Zeolith gefüttert wurden, erkrankten vier an Gebärparese. Von den 50 Tieren, die im Vorjahr an Gebärparese erkrankt waren und bei denen keinerlei prophylaktische Maßnahmen gesetzt wurden, erkrankten 34 Tiere. Die Kosten des Zeolith A-Zusatzes belaufen sich auf ca. 20 Euro pro Tier. Bei einer zusätzlichen Verabreichung von Vitamin D3 verringert sich das Risiko von Gebärparese zusätzlich.

Fazit
Durch Blutserum und Harnuntersuchungen kann bereits einige Wochen vor der Geburt eine Vorhersage getroffen werden, ob die Kuh gefährdet ist, an der Gebärparese zu erkranken. Eine kalcium- und kaliumarme Ration der Trockensteher sowie die Verfütterung von Zeolith A und eine Vitamin D3-Gabe kann das Gebärpareserisiko deutlich verringern

„Landwirt“-Tipp
Man sollte allerdings das Ziel nicht außer Acht lassen, den Trockenstehern kalcium- und kaliumarme Rationen zu verfüttern und das Gebärpareseproblem auch ohne Futterzusätze in den Griff zu bekommen. Dr. Gewessler empfiehlt für Früh-Trockensteher eine energiearme Ration plus Stroh (Keenan-Konzept) und das konsequente Fiebermessen bei den Abkalbern zweimal täglich in den ersten 5 Tagen nach der Geburt.

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Autor: Dr. Franz GEWEßLER, St. Roman


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