Lebensgefahr für Pferde auf der Weide - Atypische Weidemyopathie

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Im November sind in mehreren Bundesländern Pferde an der atypischen Weidemyopathie verendet – vor allem Kärnten war besonders betroffen. Die Behandlung der seltenen Erkrankung ist schwierig – ebenso die Ursachenforschung.
WICHTIG: Laub von Koppel und Weiden möglichst entfernen!!!
WICHTIG: Laub von Koppel und Weiden möglichst entfernen!!!
Symptome & Behandlung

Meist treten die Symptome äußerst schnell auf und ähneln denen einer Kolik bzw. eines Kreuzschlags. Die Pferde sind geschwächt, zittern, schwitzen und zeigen eine erhöhte Herzfrequenz – schließlich kollabiert das Tier. Auch eine erschwerte Atmung, Schluckbeschwerden und ein taumelnder Gang können häufig beobachtet werden. Besonders auffällig ist der dunkelrote Urin, dessen Färbung durch den Muskelfarbstoff bei der plötzlichen Zerstörung der Muskeln entsteht.

Leider liegt die Rate der toten Pferde bei weit über 90 % – eine Behandlung ist nur in sehr seltenen Fällen bei früh diagnostizierten oder nicht so stark ausgeprägten Fällen erfolgreich. Die Atypische Myopathie ist nicht ansteckend.
Eine effektive Behandlung gibt es nicht, meist verabreicht man erkrankten Pferden ähnlich wie beim Kreuzschlag intravenöse Infusionen, doch die Therapie ist in den meisten Fällen aussichtslos, da die Krankheit extrem rasch voranschreitet.

Schwierige Ursachenforschung

Seit vielen Jahren wird bereits in Studien nach den Auslösern der Atypischen Weidemyopathie geforscht, jedoch gibt es immer noch keine wirklich eindeutigen Ergebnisse. Die Krankheit kann offenbar durch mehrere Faktoren ausgelöst bzw. verursacht werden – zumindest zwei davon sind durch Studien bereits identifiziert: So ist einerseits das Bakterium Clostridium sordellii für die Krankheit verantwortlich, das Pferde mit dem Futter aufnehmen. Das Bakterium kommt im Boden vor, kann dort lange überdauern und vermehrt sich offenbar unter bestimmten Witterungsbedingungen (z. B. im Spätherbst und Winter - bei Morgenfrost mit Erwärmung tagsüber usw.) schlagartig. Im Darm des Pferdes bildet das Bakterium Toxine, welche die Muskelzellen schädigen und bei schwerem Verlauf innerhalb weniger Tage zum Tod führen.
Andererseits hat eine niederländische Forschergruppe herausgefunden, dass Ahornblätter, die vom Pferd aufgenommen werden, durch einen Befall von Schorfpilz das Auftreten der atypischen Myopathie begünstigen. „Beim Schorfpilz am Ahornblatt dürfte es sich um einen Mitauslöser oder Triggerfaktor handeln, da nicht in jedem Fall Ahornblätter im Pferdemagen gefunden wurden.“, so Dr. Sonja Berger von der VetmedUni Vienna.

Gefährliches Wetter

Möglicherweise sind die besonderen Wetterbedingungen ein wichtiger Indikator. Auffällig ist, dass manchmal in Gegenden oder sogar in ein und demselben Stall gleich mehrere Fälle von atypischer Myopathie auftreten – Dr. Sonja Berger führt dies unter anderem auf die geographische Häufung der bekannten Risikofaktoren (wie z. B. frostige Nächte aber relativ milde Tagestemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, feuchter Boden, totes Laub auf der Weide, etc.) zurück. Besonders typische Zeiträume für das Auftreten der Krankheit sind die Monate Oktober und November, ein zweites „Aufflammen“ kann aber auch im Frühjahr vorkommen. Dr. Sonja Berger empfiehlt: „Koppeln, auf denen Tiere erkrankt sind, sollten in kritischen Monaten wie Oktober und November – speziell für junge Pferde – auf KEINEN Fall genützt werden!

Vorsicht aber keine Panik

Trotz der jüngsten Ereignisse und der Empfehlung, die Weide bzw. die Pferde zu gewissen Zeiten auf jeden Fall mit Vorsicht im Auge zu behalten, ist keine Panik angebracht. Dieses Jahr hat es durch die spezielle Witterung leider eine besonders hohe Anzahl an Erkrankungen gegeben, dies ist aber durchaus nicht die Regel.

Tipps zur Vorbeugung:

  • WICHTIG: Laub von Koppel und Weiden möglichst entfernen!!
  • WICHTIG: Weiden, auf denen schon Pferde erkrankt sind, meiden!!!
  • Genügend Zufütterung von hochwertigem Heu
  • Keine Fütterung von Heu oder Silage vom Boden aus
  • Pferde sollten kein gefrorenes Futter zu sich nehmen
  • Leckstein anbieten
  • Einwandfreies Wasser zur Verfügung stellen
  • Weiden gründlich vom Mist reinigen
  • Regelmäßig Entwurmen
  • Tiere gut beobachten, um erste Anzeichen zu entdecken
  • Bei Verdacht sofort den Tierarzt kontaktieren
  • Trockene und flache Weiden eher bevorzugen
  • Bei jungen Tieren in der Saison Herbst/Frühjahr an Aufstallung denken, denn gerade Pferde bis 3 Jahre sind häufiger betroffen
  • Wenn ein Tier erkrankt – Muskelwerte der anderen Weidegenossen beobachten, um frühzeitig behandeln zu können bzw. subklinisch erkrankten Tieren, die kaum Symptome zeigen, noch helfen zu können.


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veröffentlicht: 23.12.2011 12:07