Interview mit Dr. Johann Schlederer Schweinebörse
Es sind harte Zeiten angebrochen für die Schweinebauern und deren Vertreter. Beim Tierschutz und zuletzt auch in Sachen Welthunger wurde der Schwarze Peter den Bauern zugespielt. Dagegen wehrt sich Johann Schlederer im „Landwirt”-Interview.
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Dr. Johann Schlederer: Faul ist, dass sich die beteiligten Personen am deutschen Preisbildungssystem offensichtlich nicht im Klaren sind, dass deren Handeln Auswirkungen auf ganz Europa hat. Der deutsche Schweinemarkt ist eben nun mal aufgrund seiner Größe bestimmend in Europa. Wenn also – wie Mitte Juni geschehen – in der Vorwoche mit einem Plus von 4 Cent notiert worden ist, um in der Folgewoche mit minus 9 Cent zu notieren, dann ist das ganz klar ein „Haust du mir eine rein – Hau ich dir eine rein“-System zwischen der roten und grünen Seite, aber kein marktkonformes Preismodell. Das Unangenehme ist, dass sie damit auch unseren Schweinemarkt beeinflussen.
Der fortschrittliche Landwirt: Liegt das Problem nicht eher am deutschen Preisbildungssystem und weniger an den beteiligten Personen? Immerhin handelt es sich beim Vereinigungspreis ja nur um einen Median verschiedener Markteinschätzungen.
Dr. Johann Schlederer: Genau da liegt das Problem. Es handelt sich hier um Markteinschätzungen und um kein Ergebnis von Preisverhandlungen, wie wir das in Österreich machen. Bei den reinen Marktschätzungen ist oft zu viel Optimismus dabei. Und man sieht, dass es in einem Drittel der Fälle schief geht. Daher haben sich ja in Deutschland auch die Hauspreise der großen Schlachtunternehmen durchgesetzt.
Der fortschrittliche Landwirt: Europa bezieht aus Südamerika ja einen großen Teil seines Sojabedarfs. Der Anbau nicht gentechnisch verändertem Soja sinkt. Im Gegenzug dazu wird in Österreich nach und nach auf gentechnikfreie Produktion umgestellt. Wird das nun auch bald die Schweineproduktion betreffen?
Dr. Johann Schlederer: Nein, zumindest nicht auf breiter Ebene. Solange wir als Vertreter der Schweinebauern unseren Markteinfluss hoch halten können, werden wir dafür sorgen, dass die Bauern nicht vergewaltigt werden. Ich kann damit leben, dass es derzeit einen Nischenmarkt dafür gibt, denn sowohl SPAR als auch REWE verlangen konsequent 50 Cent pro Kilogramm mehr für Schweinefleisch aus gentechnikfreier Fütterung. Der Konsument hat nun in diesem Testmarkt die Möglichkeit, sich an der Theke zu beweisen. Wenn er bereit ist, die höheren Produktionskosten abzugelten, werden die Schweinebauern natürlich danach handeln.
Der fortschrittliche Landwirt: In Deutschland sieht die Novellierung des Tierschutzgesetzes den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration bereits zum 1. Jänner 2017 vor. Laut einer freiwilligen Europäischen Erklärung soll das europaweit bis 2018 durchgezogen werden. Zieht die österreichische Schweineproduktion da mit?
Dr. Johann Schlederer: Wir haben in Österreich für die Zeit bis 2018 mit dem Einsatz von Entzündungshemmern genau die richtige Lösung gefunden. Für die Zeit danach wird derzeit europaweit auf Hochtouren geforscht. Die Ebermast ist unter den derzeitigen Umständen in Österreich schwer umsetzbar. Wir wissen, dass es am Schlachtband einige Prozent an echten Stinkern gibt und zusätzlich noch 20 bis 30 % verdächtige Schlachtkörper. Maßnahmen zur Verringerung dieser Anteile – zum Beispiel die geschlechtergetrennte Mast – sind in Österreich strukturbedingt nicht so leicht umsetzbar. Das gilt aber auch für Schlachtbetriebe. Große Schlachtunternehmen in Deutschland haben natürlich andere Verwertungsmöglichkeiten für verdächtige
Ware, als der kleine Schlachtbetrieb oder der Metzger hierzulande. Daher werden wir uns die Fortschritte der Forschung genau ansehen. Vielleicht findet die Züchtung eine Lösung, vielleicht aber auch andere Forschungsrichtungen.
Dr. Johann Schlederer im Interview mit Roman Goldberger.
Das gesamte Interview können Sie in der Ausgabe 14/2012 des "Fortschrittlichen Landwirts" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.
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