Tagebuch
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Ja wos is dees, auf oamoi, geh sog,.... Hallo Liesbeth, gestern abend musste ich an deinen Beitrag denken, als wir eine Kuh im Melkstand hatten. Ich Hirni hab noch vor ein paar Tagen gesagt, dass wir schon alles gehabt hätten: Hochwasser, Hagel, der wirklich alles zusammengeschlagen hatte,, Eiseskälte mit seinen Auswirkungen, Schnee im Übermaß,Dürre, Sturm mit abgedeckten Dächern und den flächenweise umgelegten Wald, Brand, Viehseuchen und was das Katastropenszenario hergibt, aber zum Glück stand noch nie eine Kuh um Bereich des Melkers im Melkstand. Jetzt wissen wir, wie das ist, wenn eine Kuh inder Melkergrube steht, da ist das grösste Glück ein besonnener Ehemann und eine gute Nachbarschaft. Das mit den Kräften der Selbsthilfe, bzw. sich darauf zu besinnen, ich glaub, das brauchst du keiner Bauernfamilie sagen, und den Wert von Dankbarkeit kenn ich auch sehr gut. Dankbar zu sein, dass der Tierarzt auch am späten Heiligen Abend oder in der Nacht von Sylvester oder Neujahr kommt, dass der Melkmaschinenkundendienst auch noch nach 22 Uhr ausrückt, damit wir heute zum Glück wieder melken konnten, dankbar für eine hilfsbereite Nachbarschaft. Dankbar zu sein, dass man trotz schwierigster Wetterbediungen die Ernte reinbekommt, dass im Radio immer das Wochende und die Freizeitgestaltung zeigt, was wirklich wichtig ist, dass ein paar Tropfen Regen schon fast eine Katastrope sind, während die Pflanzen draussen fast verdursten. Aber ich kann heute auch jede junge Frau verstehen, die sich ein Leben in einem schönen Haus im Dorf wünscht, mit geregelter Arbeitszeit und ohne die Herausforderungen, die ein landw. Betrieb einfordert. Der Erde die Treue zu halten- ein schönes Wort, aber das hat heute keine Bedeutung mehr, dafür wird man von der Bürokratie fast erdrückt, man ist einen Dokumentationswahnsinn eingesperrt und für die Bereiche, die wirklich wichtig sind, muss man sich die Zeit stehlen. Über so einen Artikel in der Zeitung muss ich lächeln, wir haben uns viel zu lange unsere Würde nehmen lassen und der Trend, dass so viele aufhören ist vermutlich nicht mehr zu stoppen. Die Frage, woher unsere Lebensmittel kommen, die stell ich mir auch, aber die, die sich darum Gedanken machen, sind eine Minderheit. Die Chinesen und andere Länder kaufen Land auf, in Russland liegen riesige Flächen brach, verhungern werden wir bestimmt nicht. Die Frage ist dann nur, wie die Gesellschaft ohne den Prellbock Landwirtschaft aussieht, zum Glück sind die Dinosaurier vor uns ausgestorben, sonst wären wir daran auch noch schuld. Der Blick in die noch nicht so weit zurückliegende Geschichte in den kommunistischen Ländern des Ostblocks, wo die Landwirtschaft verstaatlicht worden ist, müsste doch eine Lehre und Warnung sein, aber es zeigt wie immer, die Menschheit lernt nie aus der Geschichte. Ich muss immer voller Dankbarkeit auf unsere Ahnen zurückblicken, wie sie es schafften, allen Schicksalsschlägen zu trotzen und immer wieder weiterzumachen. Welche Opfer und Mühen dafür gebracht worden sind, dass ein Hof weitergegeben werden konnte, nur stell ich mir auch die Frage, waren es diese Opfer für einen Hof wert? Wegen einem bisserl Bauchpinseln von Seiten der Gesellschaft - das gleicht es nicht aus, da gehts um andere Wertmaßstäbe, dass man als Familie gemeinsam arbeiten kann, dass die Kinder die Eltern auch bei der Arbeit erleben und immer jemand für sie da ist, dass es eine Schicksalsgemeinschaft auch zwischen Mensch und Tier ist, dass man Aussaat und Ernte zu einem Teil in seinen Händen hält, dass man aber genauso wichtig ohne den Segen von Oben sich noch so abmühen kann und es nichts wird, dass man im Frühjahr die wieder erwachende Natur erleben darf, dass jedes neue Kalb als ein kleines Wunder sehen kann, dass man an diesen Tieren, an der Natur einen grossartigen Lehrmeister hat, dass man immer wieder bewusst gemacht wird, dass wir vom Wetter abhängig sind und auch das Lächeln und Schmunzeln über die Wetterpropheten, die Klimaschützer sich manchmal nicht verkneifen kann- bei Minus 21 und einer Kältewelle über ganz Europa von der Klimaerwärmung zu sprechen, das ist schon fast faschingsreif. Und dass man seine innere Stärke bewahrt, sich nicht unterkriegen zu lassen, weil ein Ehepartner krankheitsbedingt für eine längere Zeit ausfällt und der Betrieb doch weitergehen muss, dass auch, wenn man noch so schlecht beieinander ist, die Tiere versorgt werden müssen. Landwirtschaft an sich ist wirklich etwas sehr schönes, aber was alles getan wird, nur damit es jedem zu bunt wird, das ist schon beachtlich. Lange halten die Bauern das auch aus, aber ich befürchte, dass sie irgendwann innerlich aufgeben. Die jungen Bauern, denen in den Fachschulen das Fachwissen für ihren Beruf mitgegeben wird, brauchen noch einen weiteren Reifungsschritt, das ist das Herz für diese Arbeit, die Freude und Partnerinnen an der Seite, die dieses Leben mit ihnen teilen wollen. Es wird den Bauern immer nachgesagt, dass sie ständig jammern, ich kann das nicht beurteilen, jammern kenne ich nicht, aber mir ist bewusst geworden, dass wir uns die Freude nicht nehmen lassen dürfen, aber auch viel klarer unseren Wert für die Gesellschaft, für die Wirtschaft selbst wissen müssen. Und dazu gehört auch, sich einmal selbst bewusst zu machen, was auf einem Hof alles bewältigt werden muss, was das an Kraft und Energie kostet. Ohne ein grosses Maß an Idealismus ist das überhaupt nicht zu stemmen.
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