Düngerpreise vor Anstieg?

Düngerpreise unterliegen hohen Schwankungen und machen die Planung für Handel und Landwirtschaft nicht einfach. Im Interview gibt Gerald Papst, Geschäftsführer der LINZER AGRO TRADE, Tipps für den Düngereinkauf.
Der fortschrittliche Landwirt: Herr Papst, als Großhändler von Düngemitteln müssen Sie sich wohl den Vorwurf von Seiten der Landwirtschaft gefallen lassen, dass das Betriebsmittel Dünger seit 2009 um fast 100 % teurer geworden ist. Wo liegen die Gründe dafür?
Gerald Papst ist Geschäftsführer der LINZER AGRO TRADE.
Gerald Papst ist Geschäftsführer der LINZER AGRO TRADE.


Gerald Papst: Das stimmt. Was Sie aber außer Acht lassen ist, dass im selben Zeitraum auch die Weizen notierung von 120 auf 270 Euro geschnellt ist. Damit stieg automatisch das Düngungsoptimum in
den Kulturen und die globale Nachfrage wurde stimuliert. Neben der höheren Nachfrage sind auch die Produktionskosten angestiegen. Vergleichen Sie die Öl- und Gaspreise von 2009 mit den heutigen. Da
stellen Sie ebenfalls eine Steigerung von über 100 % fest.

Der fortschrittliche Landwirt: Wie planbar ist das Einkaufsverhalten des Handels?

Gerald Papst: Gar nicht, das hat sich seit 2009 gravierend verändert. Der Düngermarkt ist internationaler und damit volatiler geworden. Als Produzent stehen wir vor dem Problem, dass wir 330 Tage im Jahr produzieren, um wirtschaftlich arbeiten zu können, die Saison für die Düngeranwendung aber nur vier Monate dauert. Wir produzieren täglich rund 5.000 t Dünger. Früher deckte sich der Handel bereits im Herbst mit dem Großteil der Ware ein. Seit 2009 beobachten wir eine Verschiebung in Richtung Frühjahr. Das hat Nachteile für alle Beteiligten. Wir müssen viel Ware auf Lager legen, und durch den Nachfrageschub in der kurzen Zeit vor der Frühjahrsanwendung kann sich Dünger für den Handel und letztlich auch für den Landwirt empfindlich verteuern. Diesen Effekt haben die Farmer in den USA im vergangenen Frühjahr zu spüren bekommen, als die Harnstoffpreise in den USA zwischenzeitlich auf über 900 Dollar – also 500 Dollar über dem Weltmarkniveau – anstiegen.

Der fortschrittliche Landwirt: Sie plädieren also für eine gleichmäßigere Verteilung des Düngerbezugs?

Gerald Papst: Genau, und das fängt beim Landwirt an. Der Bauer setzt ja auch bei der Fruchtfolge nicht alles auf eine Karte, sondern teilt das Risiko aufmehrere Kulturen auf - und beim Dünger ist es nicht anders. Ich bin mittlerweile seit 23 Jahren in diesem Geschäft und weiß, dass jedes Jahr anders ist. Mein Tipp an die Landwirte ist, den Düngerbezug auf mehrere Etappen aufzuteilen. Ich würde ein Drittel im Sommer kaufen, das zweite Drittel vor Weihnachten und den Rest im Frühjahr. Wir versuchen ja auch bei der Preisgestaltung, den Frühbezug attraktiv zu gestalten. Das gelingt halt nicht immer, weil diese Bemühungen oft von den extremen Schwankungen des internationalen Marktes überlagert werden.

Der fortschrittliche Landwirt: Welche Entwicklung erwarten Sie in den kommenden Monaten?

Gerald Papst: An den Terminbörsen rechnet man auch im kommenden Jahr mit sehr guten Getreidepreisen. Das heißt, der Düngerverbrauch wird in Westeuropa stabil bleiben und weltweit wohl weiter steigen. So viel also zur Nachfrage, nun zum Angebot: Wir konnten letzten Sommer beobachten, dass die Lagerbestände im Handel europaweit sehr niedrig waren. Zudem liegen die Ablieferungen der Industrie bis dato hinter dem Vorjahresniveau. Wenn ich das alles in meiner Gleichung berücksichtige, so erwarte ich im Frühjahr einen Aufwärtstrend bei den Düngerpreisen. Wie stark dieser ausfällt, wird davon abhängen, wie lange sich Handel und Landwirtschaft noch am Markt zurückhalten.

Das Interview in voller Länge finden Sie in der Ausgabe 24 von "Der fortschrittliche Landwirt".
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veröffentlicht: 05.12.2012 09:46