|
| Erika Bernhard, Psychotherapeutin |
|
Eine wichtige Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben sind getrennte Wohnräume. Es ist notwendig die jungen Leute ganz loszulassen, sie nicht zu beobachten oder kontrollieren, zu kommentieren und kritisieren. Funktionen und Arbeiten müssen besprochen werden. Wer macht was, und was bekommt er dafür? Hier müssen sich alle zusammensetzen. Günstig ist es, diese Abmachungen zu protokollieren.
Das Problem, dass eine dynamische Person mit einer eher ruhigen Person zusammentrifft, wird es immer geben. Wir sehen auch fallweise, dass nicht die Schwiegertochter sondern die Schwiegermutter leidet. Die Veränderung der Einstellung junger Frauen ist teilweise so revolutionär, dass es in bäuerlichen Familien zu enormen Konflikten kommt. Es kann passieren, dass sich die Machtverhältnisse umdrehen, weil die junge Frau nur das zulässt, was sie selbst will. Sie ist zu keinem Kompromiss bereit.
Andere Schwiegertöchter sind kooperationsfähig ohne sich vorschreiben zu lassen, was sie tun müssen. Sie sind bereit Kompromisse einzugehen ohne die eigenen Bedürfnisse aufzugeben. Sie wollen Regeln gemeinsam aufstellen und sich auch daran halten. Sie schätzen die Anwesenheit und Hilfe der Schwiegereltern und sind auch imstande das auszudrücken.
Maßnahmenkatalog:
•Räume trennen; zumindest getrennte Küchen
•Freiraum und Intimsphäre des anderen akzeptieren
•Den anderen nicht kontrollieren
•Funktionen und Arbeiten klar aufteilen
•Konflikte ansprechen und lösen
•Gemeinsam feiern
Ich bin zutiefst überzeugt, dass die Mehrgenerationenfamilie den anderen Familienformen überlegen ist. Alle müssen ihren Beitrag dazu leisten. Die Alten indem sie lernen neue Formen des Zusammenlebens einzugehen; die Jungen, indem sie klare Kriterien für die jeweilige Zusammenarbeit schaffen.
Von Erika Bernhard, Psychotherapeutin