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Kleiner Bruder – große Schwester
Es hat einen unschätzbaren Wert, mit Geschwistern groß zu werden. Allerdings sind die Beziehungen innerhalb einer Familie nicht immer nur Grund zu Freude, Geborgenheit und Orientierung, sondern oftmals auch eine Quelle von Streit, Enttäuschung und Stress.
Eines ist allen Experten zufolge wichtig und prägend: Der Einfluss der Eltern auf das Verhalten der Geschwister zueinander.
Oftmals sind die großen Charakterunterschiede von Geschwistern ein Problem: In einer Familie leben der ruhige, besonnene Einzelkämpfer, die extrovertierte, temperamentvolle Künstlerin, das fröhliche Sonnenkind und der schwierige Typ als Wohngemeinschafts-Genossen und müssen bis zu ihrem Erwachsenenalter miteinander auskommen. Sie haben keine Möglichkeit ihre Koffer zu packen und ihren Geschwistern den Rücken zu kehren.
Das ist eine große Herausforderung für das Unternehmen „Familie“ – aber auch eine Chance! Geschwisterkindern wird in der Regel eine höhere Sozialkompetenz und Toleranz anderen gegenüber bescheinigt als Einzelkindern: Ihr Zuhause ist ein Übungsplatz für Streit und Versöhnung, Versagen und Erfolg, Gewinnen und Verlieren, Teilen und Sich-behaupten und vor allem ein nie enden wollendes Diskussionsforum.
Das Übungsfeld Familie mit den Mitgliedern in unterschiedlicher Altersstruktur ist nämlich ein guter Lehrplatz.

Geschwisterkonstellationen
Bei ältesten Kindern einer Familie beobachtet man oftmals eine gewisse Verantwortungsrolle. Der ältere Bruder beschützt und verteidigt gerne seine jüngeren Geschwister. Ältere Schwestern übernehmen manchmal eine Art Mutterrolle, indem sie die jüngeren Geschwister mit besonderer Aufmerksamkeit überschütten und ihnen stets den Vortritt überlassen. Oftmals haben ältere Geschwister auch eine Art Kontrollfunktion über den kleinen Bruder oder die kleine Schwester und möchten über deren Zukunft entscheiden. Schlägt diese Altersposition in Besserwisserei und Unterdrückung um, dann sind Konflikte innerhalb der Familie vorprogrammiert.
Nesthäkchen – also das jüngste Kind in der Geschwisterreihenfolge – werden meist wie kleine Prinzessinnen oder Prinzen behandelt. Sie müssen weniger Hilfsarbeiten im Haushalt verrichten, bekommen stets das größte Stück vom Nachtisch und oftmals auch mehr Nachsicht von Seiten der Eltern. „Er ist ja noch so klein! Sie kann das eben noch nicht so gut!“
Auf der anderen Seite sind jüngste Kinder meist sehr ehrgeizig, wetteifern gerne und gehen relativ unbekümmert ihren eigenen Wünschen und Interessen nach.
Am kompliziertesten ist die Situation der mittleren Kinder in einer Geschwisterreihe. Die so genannten „Sandwich-Kinder“ sind meist besonders gewandt, kompromissbereit und finden leicht Freunde. Sie sind den Umgang sowohl mit Jüngeren als auch mit Älteren gewohnt und haben nur selten Probleme mit Autoritäten. Es fällt ihnen für gewöhnlich nicht schwer, sich einzuordnen und Rücksicht zu nehmen. Meistens fühlen sich die Mittleren jedoch zu wenig beachtet und zeigen ihren Missmut darüber, indem sie in bestimmten Situationen „bockig“ reagieren, „Ärger machen“ oder ein „auffälliges“ Verhalten an den Tag legen. Denn sie haben ein Ziel: Sie möchten beachtet werden neben dem großen Bruder und der kleinen herzigen Schwester! Besonders ausgeprägt ist dieses Sandwichkindsymptom in einer Dreikindfamilie, denn in einer Familie mit vier und mehr Kindern haben die Mittleren ja einen oder mehrere Verbündete!

Autorin: Roswitha WURM, Wien



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Autor: Angelika Konrad Veröffentlichungsdatum: 08.05.2008 10:32
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